Samstag, 21.07.2018 21:27 Uhr

Akzeptiere Dich wie Du bist!

Verantwortlicher Autor: Julia K. Rohde Düsseldorf, 13.07.2018, 21:44 Uhr
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Julia K. Rohde - Kommentar zu psychologischen Themen
Julia K. Rohde - Kommentar zu psychologischen Themen  Bild: Julia K. Rohde

Düsseldorf [ENA] Geht man mit offenen Augen durch die Straßen, sieht man viele Menschen, die sich in ihrer Haut bildlich nicht wohl fühlen. Warum? Warum akzeptieren wir nicht einfach wie wir sind? Warum sind andere Kulturen uns da so weit voraus? Warum sind wir so unglaublich selbstkritisch?

Vor Kurzem habe ich einen Artikel darüber gelesen, dass es nach Meinung des Autors möglich ist, seinen eigenen Charakter zu ändern. Was er allerdings meiner Meinung nach verwechselt hat sind Charakter und Gewohnheiten. Gewohnheiten kann jeder Mensch ändern, bei Einigen ist es schwieriger, bei anderen leichter. Warum aber fällt es uns so schwer, zu akzeptieren wie wir sind?

Jeder Mensch ist einzigartig

Jeder Mensch verändert sich in verschiedenen Situationen - ein Mensch, der von anderen als "Draufgänger-Charakter" beschrieben wird, kann sich von heute auf morgen anpassen, wenn er dazu durch andere Prioritäten "gezwungen" wird. Dennoch ändert sich die generelle freigeistige und offene Grundhaltung nicht. Ein Kind, ein neuer Job, ein Schicksalsschlag - all das kann einen Menschen verändern, aber ändert sich dann auch der grundlegende Charakter? Ich bezweifle das stark und auch die Literatur zeigt unterschiedlichste Ansätze.

Menschen haben genetische Veranlagungen. Daß man diese nicht ändern kann, liegt auf der Hand. Dann folgt noch die Prägung. In den Prägephasen werden grundlegende Charakterzüge manifestiert. Möchte man diese hinterher "verändern", müsste man alles, was in der Prägung mitgegeben wurde, aus dem Speicher löschen. In der Literatur wird das "Extinktion" genannt. Aber schon hier gehen die Meinungen über die Definitionen stark auseinander. Während einige von "Extinktion durch Konditionierung" sprechen, sagen andere, Extinktion sein die Löschung des Erlernten.

Für mich ist (klassische) Konditionierung eine Möglichkeit, geprägte Eigenschaften im Nachhinein so zu überlagern, dass eine andere gewünschte Handlung auf einen Reiz erfolgt, viele Menschen würden sagen "Du hast deinen Charakter verändert". Aber genau DAS hat man nicht getan! Es wurde lediglich eine Reaktion auf einen Reiz - also der geprägte und vererbte Charakter - überlagert mit einer neuen Reaktion. In normalen Situationen wird also das geänderte erlernte / konditionierte Verhalten gezeigt, was fälschlicherweise als Charakterveränderung bezeichnet wird.

In kritischen Situationen jedoch wird die Person in das ursprüngliche Verhaltensmuster zurück fallen und somit auch in den ursprünglichen Charakter. Was hat das aber nun mit der Überschrift zu tun? VIEL! Warum seinen Charakter ändern, wenn der, den man hat, doch perfekt ist? Es gibt nicht richtig oder falsch, es gibt nicht gut oder schlecht. Es gibt nur gute oder schlechte Handlungen! Nehmen wir einen eher schüchternen und emotionalen Charakter, meist geht ein solcher Charakter auch einher mit hoher Empathie und Besonnenheit. Sollte man sich nicht auf das konzentrieren, was positiv ist?

Einzigartigkeit ist eine großartige Gabe

Warum möchten Menschen anders sein? Warum wünschen Menschen sich so zu sein wie jemand anders? Einzigartigkeit ist das, was uns alle auszeichnet. Warum also nehmen wir unseren Charakter nicht wertfrei an und verstärken das, was wir mögen? Wenn wir uns einmal objektiv betrachten, gibt es viele Charakterzüge, die wir an anderen schätzen und auch selbst in uns tragen. Konzentrieren wir uns auf unsere einzigartige genetische Kombination und sind stolz auf das, was wir sind und was aus uns "gemacht" wurde in der Zeit der Prägung.

Wie aber spielen negative Prägungserlebnisse hier hinein? Die Antwort ist einfach: Genauso! Jede Erfahrung, egal ob positiv oder negativ, macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Haben wir zum Beispiel einen schlimmen Verlust erlitten und diesen auf- und verarbeitet, sind wir in Krisensituationen oft abgeklärter, genau der Charakter, der in einem stecken gebliebenen Aufzug die Ruhe bewahren würde und anderen helfen würde, ebenfalls in einer solchen Situation einen klaren Kopf zu bewahren. Wichtig ist jedoch, dass die Krise aufgearbeitet wurde und verarbeitet, also abgeschlossen ist.

Stärken und Schwächen - der ewige Mythos

Warum sprechen wir immernoch von Stärken und Schwächen? Warum müssen wir "Schwäche" als etwas schlechtes sehen? wie wäre es, wenn wir versuchen, es einfach mal als "übertriebene Stärken" zu sehen? Wie das gehen soll? Hier ein Beispiel: Jemand fragt nach Ihren Schwächen und Sie antworten: "ich bin nicht so durchsetzungsfähig". das Gegenteil von durchsetzungsfähig könnte man vielleicht als "zurückhaltend" beschreiben. Zurückhaltung an sich ist eine positive Eigenschaft. Nun setzt man einfach das Wort "zu" davor. Dann wird aus der positiven Eigenschaft "zurückhaltend" die Aussage "zu zurückhaltend", was, wenn man es so ausdrückt eine übertriebene Stärke ist!

Und da Stärken grundsätzlich positiv wahrgenommen werden, ist der eigene Charakter vielleicht auf einmal gar nicht mehr so schlecht, wie man ihn selbst sieht. Jeder Mensch ist einzigartig und perfekt unperfekt so wie er ist! Niemand sollte denken, er wäre besser oder schlechter als andere! Das, was man aus seinen Stärken macht, ist am Ende das, was uns alle unterscheidet! Also statt zu versuchen, sich zu verändern, warum nicht das, was man hat, annehmen und bestmöglich einsetzen? Das erspart viel Frustration, steigert das Selbstbewusstsein und gibt uns am Ende viel Lebenszeit zurück!

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